Holzfuhrwerk

Geschichten und Sagen

Sagen und Geschichten unserer Heimat

Jede Region hat ihre eigenen Erzählungen – geheimnisvolle Sagen, alte Geschichten und kleine Anekdoten, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Auch in und um Blankenrath ranken sich viele dieser Überlieferungen um markante Orte, besondere Ereignisse und Menschen, die unsere Heimat geprägt haben.

Sie erzählen von längst vergangenen Zeiten, vom Glauben und Aberglauben der Menschen, von Mut und Tragik, von Naturgewalten und unerklärlichen Begebenheiten. Ob am Wegesrand, im Wald oder in der Dorfgemeinschaft – überall finden sich Spuren dieser lebendigen Erzähltradition.

Mit den hier gesammelten Sagen und Geschichten möchten wir Sie einladen, in die Vergangenheit einzutauchen und die besondere Atmosphäre unserer Heimat auf eine andere Weise zu erleben.

Erinnerungen an das Ende des Zweiten Weltkrieges am 08. Mai 1945

Viele Menschen erinnern in diesen Tagen um den 08. Mai herum an den „Tag der Befreiung“, an dem vor 80 Jahren der Zweite Weltkrieg in Europa zu Ende ging.

Und so möchte ich heute, nicht nur vor dem Hintergrund der aktuellen weltpolitischen Situation, sondern gerade auch vor dem Hintergrund der spürbaren inneren Zerrissenheit unseres Landes, die bis in die Kommunen hineinreicht, und angesichts der spürbar in unserer Bevölkerung zu beobachtenden Tendenz einer mehr und mehr zunehmenden Geschichtsvergessenheit im Rahmen dieser Ratssitzung die Gelegenheit nutzen, die Ereignisse, die sich um den 08. Mai 1945 herum gerade auch hier bei uns vor Ort begeben haben, in ihrer Bedeutung für unsere Gemeinde Blankenrath zu beschreiben und im Rahmen dieser Ansprache zum Gedenken an den „Tag der Befreiung“ das in Erinnerung zu rufen, was unsere Vorfahren, die in Blankenrath lebenden Menschen von damals, die Dorfchronisten und Zeitzeugen, aber auch Heimatforscher in Chroniken oder aber auch in Erlebnisberichten aus dieser Zeit niedergelegt haben.

Hieraus ist schnell zu erkennen, dass der „Tag der Befreiung“ für Blankenrath schon vor dem 08. Mai 1945 stattgefunden hat, nämlich schon am 17. März 1945, als gegen 11.00 Uhr unser Dorf durch amerikanische Truppen, die aus Richtung Mörsdorf, Sosberg und Reidenhausen kamen, besetzt worden ist.

Was wir heute, 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa, zu Recht als Gedenken an die Befreiung vom „menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“ in Deutschland begehen, das stellte sich den Bewohnern von Blankenrath an jenem Tag des Einmarschs der amerikanischen Truppen in unser Dorf zunächst nicht so dar, dass es sich hier um eine Befreiung handeln würde, sah sich Blankenrath zuvor doch tagelang heftigen Fliegerangriffen ausgesetzt, die die Bevölkerung zwangen, zum Großteil ihre Häuser verlassen zu müssen, um in verschiedenen Luftschutzkellern oder aber auch unterirdischen Luftschutzstollen, die außerhalb des Dorfes angelegt waren und Platz für etwa 400 Personen boten, Zuflucht zu suchen.

So erfolgte am 03. März 1945 ein schwerer Fliegerangriff durch amerikanische Bomber auf unseren Ort. Die hierbei abgeworfenen Bomben fielen meist in dem den Nachbarorten Haserich und Panzweiler zugewandten Ortsteil von Blankenrath.

Durch den damit einhergehenden ungeheuren Luftdruck zerbarsten an fast allen Häusern in der Gemeinde die Fensterscheiben. Die meisten Häuser wurden durch Granateinschläge mehr oder weniger beschädigt, einige jedoch auch total zerstört. Das Dach der Pfarrkirche wurde schwer beschädigt und das Gebäude der damaligen Volksschule, unser heutiges Bürgerhaus, erhielt ebenso einige Artillerietreffer.

Schon etwa eine Woche vor der Besetzung Blankenraths durch die Amerikaner erlebte das Dorf den ziemlich aufgelösten Rückzug der deutschen Truppen, die in schnell wechselnder Folge in und durch das Dorf gezogen kamen. Kleine Teile hiervon leisteten Widerstand gegen die herannahenden amerikanischen Truppen; hierbei fielen auch einige der deutschen Soldaten.

Wegen dieser gesamten Ereignisse im Vorfeld sowie beim Einmarsch der Amerikaner ist nachvollziehbar, dass die Einwohner von Blankenrath große Angst davor hatten, was nun unter der Besatzungsmacht kommen würde und wie es ihnen bei den Besatzungstruppen ergehen würde.

Von einer freudigen Stimmung, ja einer freudigen Erwartung und einem erleichterten Gefühl von Befreiung konnte damals kaum die Rede sein. Zu groß war die Furcht vor Vergeltung, Plünderung, gewalttätigen Übergriffen und vielem anderen mehr. Zu den befürchteten Repressalien an der Bevölkerung kam es aber glücklicherweise nicht – jedenfalls ist hierzu nichts überliefert.

Mit dem Einmarsch der amerikanischen Truppen wurden Ausgangszeitsperren für die Bewohner festgesetzt. Neue Ausweise, Registrierkarten in englischer und deutscher Sprache als Personalausweise, wurden ausgestellt, Versammlungsverbote erlassen, die Fernsprecher gesperrt und vieles andere mehr an Maßnahmen ergriffen.

Sollte das Befreiung sein?

Zunächst war man wegen dieser Maßnahmen doch eher unfrei, aber es stellte sich zunehmend heraus, dass dies alles einem neuen Aufbau und Anfang diente. An Kriegsflüchtlingen, die meist aus dem Rheinisch-Westfälischen Industriegebiet hier Unterkunft – teils bei Verwandten – gefunden hatten, waren 34 Personen im Dorf, die später wieder in ihre Heimat zurückbefördert wurden.

Der damalige Ortsgruppenleiter und Amtsbürgermeister wurde am 12. April 1945 von dem befehlshabenden amerikanischen Militärkommandanten und dem Landrat in Zell seines Amtes enthoben und eine ehrenamtliche Amtsverwaltung in Blankenrath eingerichtet.

Am 01. August 1945 wurde Blankenrath von einer französischen Flak-Batterie in einer Stärke von 168 Mannschaften, 24 Unteroffizieren und 4 Offizieren besetzt. Seitdem wehte die französische Fahne (Trikolore) aus dem damaligen Amtsgebäude.

„Das Verhältnis zwischen den Besatzungstruppen und den Dorfbewohnern entwickelt sich gut“, schrieb der damalige, noch von den Amerikanern eingesetzte Bürgermeister in seinem Bericht für das Jahr 1945. Zu Zusammenstößen zwischen Besatzungstruppen und Zivilbevölkerung ist es nicht gekommen, auch gab es keinerlei Ausschreitungen von Soldaten.

Bereits zum Jahresende 1945 wurden durch die Besatzungstruppen mehrere Tanzlustbarkeiten abgehalten; dies waren die ersten Anfänge einer Entwicklung hin zu einem sich allmählich mehr und mehr normalisierenden Leben in der dörflichen Gemeinschaft.

Nichtsdestotrotz musste die französische Truppe durch die örtliche Bevölkerung mit Naturalien wie Kartoffeln, Gemüse, Hühnern, Gänsen, Eiern, Milch, Butter, Mehl etc. verpflegt werden. Daneben mussten aber auch noch zahlreiche Ausstattungsgegenstände zur Versorgung der Besatzung im Kreisgebiet (sog. Requisitionen) geleistet werden, die z. B. aus Bettwäsche, Wolldecken, Tischwäsche, Lampen, Gläsern, Essbestecken, Geschirr, Möbelstücken u. v. m. bestanden, die – so wie andernorts – auch die Blankenrather von ihren Habseligkeiten abzugeben hatten.

Auch das Vieh der Bauern wurde zur Versorgung der Kreisbevölkerung und der Besatzungstruppen in wöchentlichen Abständen beschlagnahmt. Nur langsam und unter vielen Mühen konnte ein Wiederaufbau der beschädigten Häuser und Gehöfte erfolgen; von einer Erholung des Wirtschaftslebens – in Handwerk und Landwirtschaft – in Blankenrath war man jedoch noch weit entfernt.

Es kam zunächst einmal – nicht zuletzt wegen der an die Besatzungstruppen zu erbringenden Versorgungsleistungen und Requisitionen und des dadurch noch verstärkten Mangels an lebensnotwendigen Verbrauchs- und Gebrauchsgütern – zu einem weiteren wirtschaftlichen Niedergang, der letztlich zu einem großen Tausch-, Schleich- und Schwarzhandel führte.

Es fand sozusagen aus der Not heraus und zur Erhaltung der Vermögenssubstanz eine Flucht aus den Geldscheinen in Sachwerte statt.

Die Warenknappheit und die Wertlosigkeit des Geldes führten zu großer Not; gerade diejenigen, die nicht landwirtschaftliche Selbstversorger waren – hiervon gab es in Blankenrath etwa 200 Personen –, hatten im Vergleich zu den Selbstversorgern, dies waren 258 Personen, oft nicht genug zu essen. Sie hatten zuweilen auch nichts, was sie hätten gegen Nahrungsmittel eintauschen können.

Fast schon resignierend schrieb der damalige Bürgermeister in die Chronik:

„Die Zukunft liegt ohne Lichtblick vor uns. (…) Augenblicklich handeln die Menschen nicht verstandes-, sondern instinktmäßig. Erfüllt von der Sorge ums tägliche Brot, ohne Ziel und Planung für die Zukunft.“

Jedoch trat mit der Zeit mehr und mehr Besserung im dörflichen Leben, sowohl in seiner gesellschaftlich-sozialen, seiner wirtschaftlichen und nicht zuletzt auch seiner religiösen Ausprägung ein.

Aufgrund einer Anordnung der Militärregierung für den damaligen Kreis Zell vom 30. Oktober 1945 und Verfügung des Landrats in Zell vom 12. Dezember 1945 wurde ein Gemeindekomitee für Blankenrath, bestehend aus fünf Männern, berufen, die als Vertrauensmänner des Dorfes beratende Funktion bei den für Blankenrath zu treffenden Entscheidungen der Militärregierung und des Landrats in Zell haben sollten.

Darüber hinaus hatte die Besatzungsmacht z. B. der Kirche und der Ausübung der Religion in der folgenden Zeit alle Freiheiten wiedergegeben. So konnte im Sommer 1945 beispielsweise in Blankenrath wieder eine Fronleichnamsprozession durch die Straßen des Dorfes stattfinden. Auch der Religionsunterricht durfte wieder in den Schulen erteilt werden. Während der 12-jährigen Herrschaft der Nationalsozialisten waren Kirchen und Religion hingegen geknechtet, und auch das eigene Volk war zunehmend nahezu aller seiner Freiheiten beraubt worden.

Diese Freiheiten kamen spürbar nach dem 08. Mai 1945 vor allem in den Bereichen jener Besatzungszonen zurück, die durch die westlichen Alliierten kontrolliert wurden. Hierzu gehörte glücklicherweise auch unsere Heimatregion.

Trotz der vielen Entbehrungen und der Not, unter der die Menschen in Blankenrath und die Menschen aus den Dörfern des Kirchspiels in den Nachkriegstagen und spürbar noch in den Jahren danach gelitten haben, konnten diese später dennoch sagen, dass im Frühjahr 1945 für sie die Befreiung erfolgt ist – Befreiung vom Totalitarismus, Befreiung von Willkür, Hass und Gewaltherrschaft.

Vergessen werden dürfen in diesen Tagen gerade auch diejenigen nicht, die im Zweiten Weltkrieg als Soldaten an der Front oder aber als Zivilisten bei den kriegerischen Auseinandersetzungen und Luftangriffen ihr Leben lassen mussten:

Männer, Frauen und auch Kinder, denen hier, gerade in diesem Sitzungssaal, an dieser Tafel, gedacht wird. Gerade auch deshalb ist es an einem Tag wie heute wichtig, auch ihrer hier, in dieser Stunde, als Mitglieder des Gemeinderates und als anwesende Bürgerinnen und Bürger von heute zu gedenken.

Aus unserem Kirchspiel Blankenrath mit seinen sieben Dörfern Blankenrath, Haserich, Hesweiler, Panzweiler, Reidenhausen, Schauren und Walhausen waren es allein 149 Menschen, die als Soldaten in den Kriegstagen von jetzt auf gleich dem Leben entrissen wurden. Hinzu kamen allein in Blankenrath noch acht weitere Zivilisten, die noch in den letzten Kriegsmonaten, ja sogar noch unmittelbar vor Kriegsende, durch Bombeneinschläge und Beschuss ihr Leben verloren.

In Erinnerung an sie, aber auch in Erinnerung an die Vergangenheit, die uns die vielfältigen Berichte, Erzählungen und Aufzeichnungen der Chronisten damaliger Zeit überliefert haben, stehen wir heute, 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, in der Pflicht zur Wahrnehmung unserer Verantwortung als Demokraten, für den Erhalt von Frieden und Freiheit einzutreten, zu der der inzwischen verstorbene Alt-Bundespräsident Richard v. Weizsäcker am Ende seiner vielbeachteten Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes am 08. Mai 1985 alle Deutschen aufforderte, indem er abschließend sagte:

„Ehren wir die Freiheit. Arbeiten wir für den Frieden. Halten wir uns an das Recht. Dienen wir unseren inneren Maßstäben der Gerechtigkeit.“

Diese mahnenden Worte haben auch heute nichts von ihrer Gültigkeit verloren; ja, die in ihnen enthaltene Aufforderung gilt in der aktuellen welt- und innenpolitischen Situation mehr denn je!

Im Gedenken an den 08. Mai 1945, den „Tag der Befreiung“ vor 80 Jahren, sind wir gut beraten, uns daran zu orientieren und unser Handeln danach auszurichten!

Der Text entstammt einer Rede des Ortsbürgermeisters Jochen Hansen zur Erinnerung an das Ende des Zweiten Weltkrieges am 08. Mai 1945 anlässlich des Gedenkens zum 80. Jahrestag der Befreiung im Rahmen der Sitzung des Gemeinderates am 07. Mai 2025.

Pferde-Mättes

Der Pferde-Mättes hatte bereits als kleiner Junge seinen Namen erhalten, weil er Pferde über alles liebte und sich immer in ihrer Nähe aufhielt. Später gehörte es zu seinem Beruf, ständig mit Pferden umzugehen. Er besorgte Transportaufträge aller Art, und wenn diese eine Zeitlang ausblieben, schleifte er Holzstämme aus dem Wald an den Weg. Er war, wie die Leute sagten, ein richtiger "Schorjer". Dieses Holz musste ja auch an die Mosel gefahren werden. Von dort wurde es unter Umständen bis zum Niederrhein geflößt. Bei uns gab es noch keine Holzindustrie. Um nach Zell zu gelangen, musste man den alten Bergweg benutzen, der war ausgefahren, schmutzig, eng, schlecht zu gehen und noch schlechter zu fahren. Lange Strecken waren so schmal, dass zwei Fuhrwerke nicht aneinander vorbeifahren konnten. Nur ab und zu gab es eine Ausweichstelle, dorthin musste dann ein Gefährt rangiert werden.

Einmal fuhr der Pferde-Mättes mit seinem Fuhrwerk nach erledigtem Auftrag den Berg hinauf in Richtung Heimat. Plötzlich, nach einer Kurve, stand die Kutsche des Landrats vor seinen Pferden und blockierte die Straße. Der hochmütige Kutscher auf dem Bock schrie und schimpfte über den ungehobelten "Holzschleifer", damit dieser ausweichen sollte. Er meinte, der Hunsrücker Bauer müsse doch dem Landrat Platz machen. Aber der Pferde-Mättes wich keinen Zentimeter zurück. Er seinerseits bedachte den Kutscher mit den ausgefallensten Schimpfwörtern. Aller Disput half nichts. Diesen hatte sich der Landrat eine Weile angehört, dann öffnete er den Schlag und rief erbost: "Wissen Sie denn nicht, wer ich bin? Ich bin der Landrat König!" "Su, bess dau der Landrat König!" rief Pferde-Mättes zornig zurück, "Dann mache eich dich weile zom Kaiser!"

Weit ausholend schwang er seine Peitsche und knallte sie dem Landrat um die Ohren. Jetzt hatte es der Herr Kutscher aber eilig, an die Seite zu rücken und den Pferde-Mättes vorbeizulassen. Der ahnte allerdings Unheil und versteckte sich mit Pferden und dem Wagen vorerst in den Walhausener Fichten.

Der Landrat kochte vor Wut. Einen solchen störrischen Hunsrücker hatte er noch nicht erlebt, der es wagte, ihn zu demütigen. Sofort musste die berittene Polizei ausrücken und alles absuchen, aber den Pferde-Mättes konnten sie nicht finden. Als die Polizisten wieder den Zeller Berg hinunterritten, fuhr Pferde-Mättes seelenruhig nach Hause und tat so, als ob nicht das Geringste geschehen wäre.


Quelle: Archiv Geschichten, 1984, von Werner Geisen

Geldfälscherei

In der Zeit der Inflation in den Jahren 1922/1923 wurde das Geld immer weniger wert, die Zahlen aber wuchsen ins Unermessliche, im Herbst 1923 sogar bis in die Billionen. Man konnte nichts mehr kaufen, auch für einen ganzen Sack voll Tausender bekam man nichts, bis das neue Geld ausgegeben wurde. Im Jahr 1923 hatte sogar jeder Land- oder Stadtkreis das Recht, Geld selber zu drucken; das war dann auch nur im eigenen Bereich gültig. So war es auch im Kreis Zell. Die ganze Entwertung konnte aber den Ignaz, eigentlich ein biederer Bürger, nicht hindern, selber einen Sack voll Geld zu drucken. Wie ging das zu?

Der Ignaz war ein Sanitätsfeldwebel im Ersten Weltkrieg, ein forscher Bursche. Als er nun aus dem Kriege heil herausgekommen nach Hause entlassen wurde, baute er sich hier ein kleines sauberes Textillädchen auf. Viel zu tun gab es nicht, deshalb hatte er umso mehr Zeit zum Phantasieren, wie man reich werden könnte.

Eines Tages hatte der Ignaz ganz vertraulich einen Tipp bekommen von einer Geldfälscher-Werkstatt, abgelegen im Wald, nahe dem alten Bergweg nach Zell. Da hatte er wirklich einiges zu überlegen. Er lieh sich ein Pferdefuhrwerk und rumpelte schon in der Morgenfrühe in Richtung Zell. Richtig, in der Werkstatt im Walde waren einige Männer bei der Arbeit. Ignaz band die Pferde fest und stürmte hinein. Dort brüllte er im Kommandoton: "Kriminalpolizei! Sie sind wegen Geldfälscherei verhaftet. Die Werkstatt ist beschlagnahmt!"

Bei diesem Vorgang zeigte er so nebenbei eine nachgemachte Blechmarke der Kriminalpolizei unter seinem Rockaufschlag vor.

Die Fälscher starrten entsetzt und standen wie versteinert. Ignaz schaute sich alles an, nahm ihre Personalien auf, dann sagte er beruhigend: "Ich will nicht so streng mit euch sein, weil das ja nur Inflationsgeld ist. Also los, alles auf den Wagen laden, schnell, schnell!"

Die Burschen beeilten sich, verpackten die Druckstöcke, luden die Maschinen auf, das Werkzeug, Papier, Druckfarbe und auch die Schneidemaschine. Ignaz war mit ihnen zufrieden und befahl: "Jetzt könnt ihr heimgehen, bis die Vorladung vom Gericht kommt, aber redet nicht darüber, verstanden!"

Die Burschen brüllten: "Jawoll!" und rannten weg, so schnell sie konnten. Ignaz fuhr die Ladung nach Hause, baute die ganze Apparatur in seinem Stall auf und druckte fleißig Zeller Geldscheine. Sie waren nicht viel wert, vielleicht gerade fünfzig Pfennig, aber er setzte sie um, kaufte dafür ein und wechselte sie in größere Scheine um. Bekanntlich ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch ans Licht der Sonne! Bereits nach kurzer Zeit fiel Ignaz auf. Er wurde als der falsche Kripobeamte und Geldfälscher entlarvt. Bei Nacht und Nebel floh er aus seinem Elternhaus, verbrachte zunächst ein Jahr in Österreich, wo er sich mühsam durchschlug, dann reiste er über den Atlantik und landete in Kuba.

Sein Traum von Reichtum und Wohlleben war aus. Das Unternehmen Geldpresse hatte sich nicht gelohnt. Aus Kuba schrieb Ignaz oftmals nach Hause, erzählte von seinem großen Heimweh, das ihn fast zu Tode quälte, aber er durfte wegen des Haftbefehls nicht mehr heimkommen. In den sechziger Jahren ist er einsam in der Fremde verstorben.


Quelle: Archiv Geschichten, 1984, von Werner Geisen

Sehlseifskälbchen

Noch heute führt ein Weg von der alten Hesweiler Schule ziemlich gerade zur Sehlseife, dann über den Hügel, an der alten Blankenrather Schule, dem heutigen Bürgerhaus, vorbei bis an die Pfarrkirche. Das war der alte Hesweiler Kirchenpfad.

Alle Gläubigen vom Filialort Hesweiler mussten früher diesen Weg gehen, um zum Gottesdienst in die Pfarrkirche zu kommen. In der Dunkelheit jedoch schaute ein jeder entsetzt zurück, denn in der Sehlseife war es nicht geheuer.

Gottlob gibt es heute eine neue Straße, die den ehemals sehr sumpfigen Wiesengrund mit seinem Bachlauf umgeht und somit dem Wanderer böse Schrecken erspart. Eines Sommerabends, es war bereits stockdunkel geworden, wanderte der Blankenrather Michel von Hesweiler nach Hause. Er verabscheute das Geschwätz der Leute über den Spuk in der Sehlseife und glaubte schon gar nicht an böse Geister. Kräftig schritt er aus und gelangte bald in das Tälchen. Hier im sumpfigen, morastigen Talesgrund schlug ihm feuchte Luft entgegen. Es roch modrig, und Frösche quakten. Michel musste gut aufpassen, dass er nicht vom Pfad abglitt und in den Morast geriet.

Plötzlich hörte er ein Patschen hinter sich - es sprang ihn etwas an - und Michel stürzte der Länge nach in den Dreck. Er schlug verzweifelt um sich, traf aber nicht; dann rappelte er sich mühsam auf und hastete den Hang hinauf dem Dorfe zu. Daheim erzählte er, noch ganz außer Atem, was ihm zugestoßen war. Die Angehörigen und die zum Plauderabend versammelten Nachbarn grinsten schadenfroh den dreckverschmierten Michel an.

Für sie stand ganz klar fest:

Diesen Schreck hatte dem sonst so forschen Michel das Sehlseifskälbchen eingejagt, das dort seit altersher umgeht. Warum es dort herumspukt und die Leute erschreckt, das weiß niemand mehr. Gesehen hat es auch noch keiner; denn es treibt seine seltsamen Scherze nur in dunklen Nächten.


Quelle: Heft – Sagen und Geschichten unserer Heimat, 1961, von Werner Geisen